Yoga und Gene (1) Machen Gene wirklich alles?

Das Erbgut dieser beiden ist bis zu 99,4 % identisch.
Wie ist das möglich?  (Bild © everettovrk)

Der Bruder des Affen

Studien belegen, dass das Erbgut von Schimpansen und Menschen bis zu 99,4% übereinstimmt, sich also in nur 0,6% voneinander unterscheidet. Der Unterschied im Erbgut zwischen Menschen-Frauen und Menschen-Männern beträgt aber bis zu 2 – 4%!

Es gibt tatsächlich Ehepaare, bei denen der Ehemann einem Schimpansen-Mann genetisch ähnlicher ist als seiner eigenen Ehefrau!

Aber man muss auch erwähnen, dass umgekehrt eine Menschen-Frau manchmal auch einer Schimpansen-Frau genetisch ähnlicher sein kann als ihrem Ehemann.

Man sollte sich aber nicht auf ein Lächeln beschränken, sondern darüber nachdenken, was das bedeutet – und wie das möglich ist.

Die Yogis wussten schon vor Jahrtausenden mehr als wir

In den Yoga-Sutras des Patanjali (etwa 500 Jahre vor Christus) heißt es in Kapitel IV:

„Die Umwandlung der Existenzformen erfolgt durch das Fließen natürlicher Neigungen oder Anlagen.“

Heute heißt das Epigenetik

Diese Zusammenhänge bezeichnen wir heute als „Epigenetik“, d. h. die der Genetik übergeordneten Gesetze und Kräfte, die bestimmen, welche Gene durch unser Bewusstsein, unser Verhalten, unseren Lebensstil und unsere Lebensbedingungen in den Vordergrund geregelt werden.

Freier Wille, Lebensstil und Prävention

Wenn der Einfluss der Gene so zwingend und verpflichtend wäre, wie es heute noch immer gepredigt wird, hätte der Mensch keinen freien Willen. Auch hätte er keinerlei Möglichkeit, durch einen gesunden Lebensstil oder Prävention irgendetwas zu ändern.

Erbgut – Anlagen und Neigungen

Alle Elemente in der Natur – auch das Erbgut – sind mit bestimmten Neigungen und Eigenschaften ausgestattet. Halten wir zum Beispiel ein brennendes Streichholz an ein Stück Holz, dann brennt es. Halten wir es an einen Ziegelstein, geschieht nichts. Das Holz hat im Gegensatz zum Ziegelstein die Neigung in sich, unter bestimmten Bedingungen (Hitze, Feuer) mit Sauerstoff eine Verbindung einzugehen, so dass eine Kettenreaktion ausgelöst wird, die zu einem Verbrennungsprozess führt.

Wie ein Bauer …

So ähnlich ist es auch mit den Neigungen in unserem Erbgut. Man kann eine im Erbgut enthaltene Neigung durch das richtige Umfeld (Bewusstsein, Lebensstil, Willenskraft) in die gewünschte Richtung lenken. Und siehe da, auch das wussten die Yogis schon:

„Eine vom Menschen hervorgerufene Ursache bewirkt nicht die Änderung der Naturgesetze, sondern sie beseitigt nur wie ein Bauer, der sein Feld bewässert, die Hindernisse.“ (Patanjali 4.03)

Yoga sagt: Unser Körper mit seinen Genen ist wie Baumaterial, das in gewissen Grenzen durch unser Bewusstsein verändert werden kann. Und das sagt die Epigenetik heute auch!

Die Yogis erkannten schon vor Jahrtausenden, dass alles Naturgesetzen unterliegt. Auch die Existenzformen entwickeln sich nach inneren Gesetzen.

Der Körper mit seinen Neigungen ist das Feld, das unser Geist wie ein Bauer bestellt, indem er die natürlichen Möglichkeiten in die richtigen Bahnen lenkt (Patanjali Kapitel IV).

Das Phänomen übereinstimmender Gene

Vergleicht man das Erbgut verschiedener Organismen, stellt man überrascht fest, dass sie in einem mehr oder minder großen Prozentsatz mit unserem Erbgut übereinstimmen:

  • Fliege 50-60 %
  • Fadenwurm 40 %
  • Hefe 30-50 %
  • Banane ca. 15 %

Das heißt: Für die gesamte Schöpfung wurde offenbar ein mehr oder minder stark übereinstimmendes Baumaterial verwendet – wie die Yogis es schon vor mehr als 5000 Jahren sagten!

Das heißt für uns

Jeder von uns hat Anlagen, Neigungen und Talente, die man durch das richtige Bewusstsein weiterentwickelt kann.

Da „die Umwandlung der Existenzformen durch das Fließen natürlicher Neigungen oder Anlagen“ (Patasnjali) erfolgt, haben wir Möglichkeiten – aber auch durch die Naturgesetze bedingte Grenzen.

Über diese Möglichkeiten und Grenzen wollen wir uns im nächsten Think-Letter weitere Gedanken machen …

Weiterführende Infos:

Die Philosophie unserer Yoga-Schule

Der kleine Unterschied (Quelle: FOCUS Magazin Nr. 16/2002)

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